 |

Diagnostizierung und Behandlungsansätze
Zu Beginn der Behandlung und zur Erfolgskontrolle genügt es, die betroffenen Körperpartien zu betrachten und ggf. durch Berührung das Ausmaß zu prüfen. Soll die Krankenkasse die Kosten der Behandlung übernehmen, kann eine objektive Messung erforderlich werden:
- Zum Einen kann der Hautleitwert gemessen werden. Dieser entspricht der elektrischen Leitfähigkeit der Haut und ist der Kehrwert des Hautwiderstandes. Mit zunehmender Schweißproduktion steigt die Fähigkeit der Haut, als Stromleiter zu fungieren, und folglich steigt der Hautleitwert an.
- Eine weitere Möglichkeit stellt die Schweißmengenmessung dar. Der Schweiß wird mittels eines dünnen, saugfähigen Filterpapiers für die Dauer von einer Minute von der betroffenen Fläche aufgefangen. Diese wird zuvor gründlich getrocknet. Bis zu einer Menge von 30 mg/Minute liegt die Schweißproduktion im Normbereich. Diese Methode wird auch als gravimetrische Messung bezeichnet.
- Des Weiteren kann man, was aber nur in den seltensten Fällen erforderlich ist, eine Flächenmessung des hyperhidrotischen Areals vornehmen. Diese Methode wird auch der Minor’sche Schweiß-Test genannt. Der Test beruht auf einer Jod-Stärke-Reaktion. Hierbei wird eine alkoholhaltige Lösung, die zu 1,5 Prozent aus Jod und zu 10 Prozent aus Rizinusöl besteht, auf die Haut aufgetragen. Zuvor muss das betroffene Areal vollständig getrocknet werden. Ist die Lösung angetrocknet, wird eine dünne Schicht Speisestärke auf das behandelte Areal gesiebt und gewartet, bis sich die von Hyperhidrose betroffene Körperregion abzeichnet. Auf diese Weise lässt sich das flächenmäßige Ausmaß genau eingrenzen.
- Mit der Feuchtigkeitsmessung (Hygrometrie = Luftfeuchtigkeit) kann die Wasserabgabe der Haut nachgewiesen werden. Ein spezielles Messgerät (Evaporimeter) misst die Verdunstung an der Hautoberfläche.
Ist eine Hyperhidrose nachgewiesen, gibt es unterschiedliche Behandlungsansätze, die teilweise gut miteinander kombiniert werden können. Wir bieten die Behandlung mit Botulinumtoxin A an, möchten Ihnen aber dennoch einen Überblick über andere Therapiemethoden geben.
Behandlungsansätze
Hausmittelchen
Zunächst einmal können Sie sich selbst beobachten. Versuchen Sie herauszufinden, ob das Schwitzen mit gewissen Situationen in Verbindung gebracht werden kann, bspw. dem Konsum von Kaffee, Tee oder Alkohol sowie dem Verzehr sehr heißer oder stark gewürzter Speisen. Gegebenenfalls lohnt es sich, auf diese Stimuli zu verzichten. Ein weiterer Indikator für die übermäßige Schweißbildung kann Übergewicht sein.
Körperhygiene sollte für Hyperhidrotiker selbstverständlich sein, insbesondere wenn Sie zu Schweißfüßen neigen. Patienten mit einer Hyperhidrosis plantaris sind besonders anfällig für Pilzinfektionen. Da die Hornhaut der Betroffenen permanent durchfeuchtet ist, bildet sie einen optimalen Nährboden für Keime, die im Laufe der Zeit die Hornsubstanz zersetzen und letztlich unangenehme Gerüche zur Folge haben. Hier ist eine besondere Fußhygiene empfehlenswert:
- Füße mehrmals täglich waschen, anschließend gründlich abtrocknen
- Hautcreme oder ggf. antibakterielle Cremes verwenden, bei Pilzbefall bzw. Schuppen zwischen den Zehen entsprechende Salben
- regelmäßige Fußbäder
- geruchshemmende Einlagen verwenden, bspw. aus Zedernholz (Dieses Holz eignet sich besonders, weil es Stoffe enthält, die Pilze und Sporen abtöten bzw. ihr Wachstum hemmen. Es saugt die Fußfeuchtigkeit auf, ohne Ihre Haut auszutrocknen.)
- Baumwollsocken tragen und regelmäßig wechseln
- luftdurchlässige Schuhe tragen und nach dem Tragen 24 Stunden auslüften
- Entfernung überflüssiger Hautschichten
- Fußpuder
Nichtinvasive Behandlungsansätze
1. Antitranspiranten
Hierbei handelt es sich um Chemikalien, die die Schweißbildung durch Verstopfung oder Verkleinerung der für die Schweißaustretung zuständigen Poren minimieren. Diese Behandlung eignet sich besonders gut für Patienten mit leichter bis mittelschwerer Hyperhidrose, muss aber manchmal wegen Hautirritationen, Juckreiz und Rötungen abgebrochen werden.
Weitere medizinische Präparate, die sich zur Behandlung einer Hyperhidrose I. Grades eignen, sind Tannolact® und Tannosynt®. Ihre synthetischen Gerbsäuren dämpfen die Schweißbildung und können in Form eines Bades oder einer Creme angewandt werden.
Ebenfalls gut geeignet sind Salben auf Methenamin-Basis, die ein- bis zweimal täglich auf die betroffenen Körperstellen aufgetragen werden sollten.
2. "Kosmetika"
Ein in den Apotheken erhältlicher Deo-Roller mit dem Inhaltsstoff Glycopyrroniumbromid in 0,5- bis 3-prozentiger Konzentration kann sich ebenfalls lindernd auf die Schweißproduktion auswirken. Glycopyrroniumbromid ist ein stark hydrophiles (wasserliebendes) Parasympathikolytikum (Substanz, die die Wirkung des Parasympathikus herabsetzt), das die Schweiß-, Tränen- und Speichelsekretion herabsetzt.
3. Medikamente
Es gibt keine pharmazeutischen Erzeugnisse, die speziell die Schweißbildung mindern. Versuchsweise werden Beruhigungsmittel oder Anticholinergika eingesetzt, die aber wegen der starken Nebenwirkungen (Mundtrockenheit, Minderung der Sehfähigkeit) bei ausbleibendem durchschlagendem Therapieerfolg nicht unbedingt zu empfehlen sind.
4. Teilbäder und Umschläge auf Naturbasis
Entzündungshemmende Gerbstoffe aus den Blättern des Walnussbaumes wirken sich positiv auf die übermäßige Schweißbildung aus. Der entsprechende Sud ist allerdings nicht als Fertigpräparat erhältlich. Ein weiterer natürlicher Wirkstoff ist der Gartensalbei, der sich dämpfend auf das vegetative Nervensystem auswirkt. Salbei ist als Tee oder fertiges Arzneimittel erhältlich.
5. Iontophorese
Hierbei handelt es sich um eine Gleichstromtherapie, die überwiegend in Form von Bädern durchgeführt wird und deshalb wenig bis gar nicht geeignet ist für die Behandlung einer Rumpf- oder axillären Hyperhidrose. Der Behandlungserfolg ist stark umstritten. Nennenswerte Erfolge konnten lediglich bei Patienten mit leichter bis mäßiger Schweißbildung erzielt werden. Ein Gleichstromgenerator erzeugt Strom, der mittels Elektroden in ein Salzbad geführt wird. Die Wirkungsweise ist vermutlich ähnlich der einer Behandlung mit Antitranspiranten. Die Iontophorese sollte zu Beginn regelmäßig mehrmals die Woche und mindestens zwei Monate lang durchgeführt werden. Die Ausrüstung macht die Durchführung in einer Arztpraxis nahezu unumgänglich, die Kassen übernehmen die Kosten für eine eigene Ausrüstung nur im Erfolgsfall.
6. Psycho-vegetative Behandlungsansätze
Die Behandlung mit Psychopharmaka, autogenem Training oder einer Psychotherapie wirkt sich allenfalls auf die psycho-sozialen Probleme (Isolation) der Patienten aus und befähigt sie mit dem Handicap zu leben, nimmt aber keinerlei Einfluss auf die Schweißbildung, sofern die Folgeerscheinungen der Erkrankungen nicht zur verstärkenden Ursache werden.
Minimal-invasive Behandlungsansätze
1. Suctionskürette (Absaugen)
Diese Behandlung eignet sich besonders bei axillärer Hyperhidrose, wird aber nur in wenigen Zentren durchgeführt. Der Eingriff erfordert eine ambulante Operation, weil er eine Tumeszenz-Lokalanästhesie erfordert, konnte sich aber erfolgreich gegen die herkömmliche Operationstechnik mittels einer scharfen gynäkologischen Kürette (löffelartiges Instrument) durchsetzen. Die Rückfallquote ist bei der Absaugung niedriger.
Der Operateur verschafft sich mittels zwei kleiner Schnitte Zugang zu der Achselhöhle, weicht das Gewebe mit einer Tumeszenslösung auf und saugt die Schweißdrüsen anschließend ab.
Nach der Suctionskürette können kleine Hämatome und Verhärtungen im Behandlungsareal auftreten, die sich in der Regel jedoch innerhalb kurzer Zeit zurückbilden.
2. Endoskopisch transthorakale Sympathektomie (ETS)
Diese Therapiemethode wird auch endoskopische Sympathikusblockade (EBS) genannt. Hierbei werden die Nervenknoten mittels dünner Nadeln, die durch kleine Schnitte geführt werden, zerstört. Der risikoarme Eingriff eignet sich besonders für Patienten mit einer therapieresistenten Hyperhidrose im Bereich des Gesichts oder der Hände und führt in nahezu allen Fällen zu einer vollständigen Heilung. Bei Patienten, die unter einer lokalen Hyperhidrose im Bereich der Hände und Füße leiden, verbessert sich durch dieses Verfahren oftmals auch der Fußschweiß sichtlich.
Invasive (operative) Behandlungsansätze
Bleibt der Erfolg der oben genannten Verfahren aus, können operative Therapiemethoden eine Linderung erzielen.
1. Gynäkologische Kürette
Trotz der nicht unerheblichen Risiken wird die lokale Schweißdrüsenexzision mittels der gynäkologischen Kürette heutzutage immer noch angewandt. Wundheilungsstörungen und verbleibende große Narben sind nicht selten Folgen des Eingriffs. Die Schweißdrüsen werden hierbei mit einem scharfen löffelartigen Instrument herausgeschnitten, wobei nie das komplette hyperhidrotische Areal behandelt werden kann, weil die entstehende Wundfläche nicht vollständig zugenäht werden könnte.
2. Sympathektomie
Ähnlich der ETS zielt auch die Sympathektomie auf eine Unterbrechung jener Nervenimpulse ab, die Schweißabsonderung veranlassen. Theoretisch wäre so auch eine Rumpf- oder generalisierte Hyperhidrose zu behandeln, in der Realität sind diese Formen jedoch durch chirurgische Korrekturen nicht zu beheben. Fußschweiß erfordert allerdings eine lumbale Sympathektomie, eine offene Bauchoperation.
Die Stillegung der Nerven erfolgt über die Lendenwirbelsäule. Die Behandlung kann auch im Bereich des Gesichts, der Hände und der Achseln vorgenommen werden. Erstere werden aber bevorzugt mit der deutlich risikoärmeren endoskopisch transthorakalen Sympathektomie behandelt. Mögliche nicht unerhebliche Risiken der Sympathektomie sind:
- Einschränkung der Lungenfunktion (Atemschwierigkeiten)
- Pupillenverengung, herabhängendes Oberlid, Zurücksinken des Augapfels in die Augenhöhle (Symptomtrias des Horner-Syndroms)
- Kompensatorisches Schwitzen anderer Körperregionen
|
|